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Open-Data-Standards für Entwicklungszusammenarbeit

- October 14, 2016 in Entwicklungshilfe, Open Data

Transparenter Zugang zu Daten der internationalen und österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist wichtig – für eine effektive Kontrolle der verwendeten Mittel, aber auch für eine effiziente Planung, Umsetzung, Koordination und Evaluierung der geförderten Maßnahmen. Internationale Standards, insbesondere die International Aid Transparency Initiative  (IATI), sollen dabei helfen, Daten zur Entwicklungshilfe zugänglich und vergleichbar zu machen.

Status Quo

Weltweit gibt es mehrere Initiativen und Organisationen, die Daten zu Entwicklungszusammenarbeit sammeln und publizieren. Initiativen wie AidData oder IATI setzen sich für Open Data ein und entwickeln gleichzeitig Netzwerke, Plattformen und Instrumente für Regierungen, NGOs und Individuen. Hierzulande betreibt vor allem die ADA, die Austrian Development Agency, klassische bilaterale Entwicklungszusammenarbeit. Bei der Datenveröffentlichung gibt es erste Ansätze aber durchaus noch Potenzial, wie Open Knowledge im April diesen Jahres beschrieben hat.

Internationaler Standard

Die International Aid Transparency Initiative entwickelt seit 2008 einen Open-Data-Standard, der mittlerweile von zumindest 473 staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, die im Bereich Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, verwendet wird. Ziel ist es, die veröffentlichten Daten gemeinsam für Professionelle und Interessierte abrufbar und weiter verwendbar zu machen. So verschränkt etwa www.d-portal.org Daten von IATI und OECD . Daten des britischen Pendants zur Austrian Development Agency und des französischen Außenministeriums sind dort genauso zu finden, wie jene der Asiatischen Entwicklungsbank oder von Transparency International Niederlande. IATI Daten geben Auskunft über die Organisation, den Sektor, die geografische Region und die Aktivitäten selbst. Auf diese Art sollen etwa jede einzelne Zahlung in einem Projekt nachvollziehbar gemacht und dazugehörige Vertragstexte einsehbar werden.  Die Initiative definiert aber nicht nur, welche Entwicklungs-Daten relevant sind, sondern definiert auch technische Standards, um die Informationen vergleichbar zu machen. Finanziert wird die Initiative einerseits von den Verwendern selbst, andererseits von einigen Geberländern.

Best Practice

Basierend auf den IATI-Daten haben nationale Entwicklungsagenturen, allen voran die schwedische und britische Entwicklungsagentur, Plattformen aufgestellt, an welchen man recht genau nachvollziehen kann, wofür Entwicklungshilfe in die Hand genommen wurde. Im schwedischen Fall hält sich die Website großteils an die Vorgaben des IATI-Standards und ist sehr endnutzerfreundlich, da sie es erlaubt, die schwedischen Entwicklungs-Daten nach verschiedenen Kategorien, wie etwa welche öffentliche Stelle in Schweden wen wie und in welchem Jahr unterstützt hat, zu durchsuchen. Sweden Open Aid Im Herbst 2016 fehlen hier zwar noch einige Daten, aber die Grundstruktur ist benutzerfreundlich und lässt Datensätze exportieren. Bemerkenswert ist hier auch die Publikation von Untersuchungsberichten von möglichen Korruptionsvorfällen in Projekten der schwedischen Entwicklungsagentur SIDA und ihren Projektpartnern.

Schwach- und Baustellen

Der IATI-Standard akzeptiert, dass bestimmte Informationen von seinen VerwenderInnen nicht veröffentlicht werden. IATI verpflichtet diese jedoch gleichzeitig, ihr Vorgehen bei Veröffentlichungen klar zu definieren und offenzulegen: Die schwedische Open-Data-Website folgt dieser Voraussetzung und stellt klar, welche Daten nicht veröffentlicht werden. So seien Informationen zu Demokratie-unterstützenden Projekten, die durch Nichtregierungsorganisationen in fragilen politischen Kontexten mit schwedischer Entwicklungshilfe ausgeführt werden, nicht auf der Website zu finden – um Projektpartner und Individuen zu schützen. Projektdaten werden aber auch aus Datenschutzgründen oder aufgrund von Geschäftsgeheimnissen von privaten PartnerInnen oft nicht veröffentlicht. Ein solches Vorgehen birgt die Gefahr, dass vor allem Projekte, die in Kooperation mit Unternehmen realisiert werden, hier für BürgerInnen nicht nachvollziehbar gemacht werden können. Diese Flexibilität macht es einerseits für die VerwenderInnen einfacher, den IATI-Standard zu adaptieren und auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden, andererseits verliert ein Standard dadurch teilweise an Gewicht. Sowohl die Initiative selbst als auch die von ihr mitentwickelte Internetplattform d-portal.org haben das Problem der Qualität der Daten erkannt und legt dieses auch offen:
“d-portal showcases the best practice of a number of major development partners. Many IATI publishers, however, are currently not meeting what developing countries have clearly indicated are their minimum requirements. This just isn’t good enough.“

Im österreichischen Kontext

Im Unterschied zu anderen EU-Ländern scheint der IATI-Standard für österreichische Akteure der Entwicklungszusammenarbeit keine Rolle zu spielen. Bisher scheint nur eine österreichische NGO, Hilfswerk Austria International, auf der IATI-Website auf, wobei, bei genauerem Hinsehen, nur wenige Daten übermittelt wurden, die auch nicht auf der d-portal.org-Plattform aufscheinen. Die österreichische Entwicklungsagentur ADA verwendet den IATI-Standard nicht und schneidet daher beim Aid Transparency Index der NGO PublishWhatYouFund 2014 im unteren Viertel mit der Beschreibung „sehr schlecht“ ab (im Index für 2016 war Österreich nicht inkludiert).

Österreich sollte IATI adaptieren

Wohin und wofür heimische Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden, ist derzeit weder für BürgerInnen noch für Medien, Wissenschaft oder andere AkteurInnen in diesem Sektor nachzuvollziehen. Denn neben der ADA, die zumindest eine Liste geförderter Projekte veröffentlicht, spielen auch zahlreiche Ministerien dabei eine wichtige Rolle. Die österreichische Regierung sollte den IATI-Standard adaptieren und Daten entsprechend sammeln und veröffentlichen. Schweden könnte hier als ein positives Vorbild dienen. Mit Hilfe von Open Data kann so ein Mehrwert geschaffen werden und helfen, die vielen staatlichen AkteurInnen der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich auf eine Blick sichtbar zu machen. Gleichzeitig kann damit auch die Wirkung von öffentlichen Geldern in diesem Bereich weiter gestärkt und ein Beitrag zur Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit geleistet werden.
Ein Gastbeitrag von Hanna Wilhelmer. Hanna Wilhelmer interessiert sich für Open Data im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und -finanzierung. Neben Rechtswissenschaften schloss sie auch das Studium der Internationalen Entwicklung ab und arbeitete u.a. in der Rechtsabteilung der Asiatischen Entwicklungsbank und im Bereich Nachbarschaftspolitik bei der Europäischen Kommission.

Wem kommt die Presseförderung zugute?

- August 17, 2015 in GuteDaten, HandsOn, KommAustria, Medienförderung, Open Data, österreich, Politik, presseförderung, RTR, Rundfunk- und Telekom Regulierungs GmbH, Transparenz

gutetaten icon Eine funktionierende Demokratie braucht eine pluralistische Medienlandschaft. In Österreich greift der Staat Publikationen mit öffentlichen Geldern unter die Arme – dabei geht es diesmal nicht um die oftmals großzügig vergebenen Inserate der öffentlichen Hand, die etwa Dossier regelmäßig dokumentiert, sondern um die Presseförderung. Die Förderungen werden von der Rundfunk- und Telekom Regulierungs GmbH (RTR) bzw. der dort angesiedelten KommAustria vergeben, die auf ihrer Webseite jährlich Details zu den Vergaben veröffentlicht. Dabei werden verschiedene Aspekte gefördert – Gelder gibt es etwa, um den den Vertrieb von Tages- und Wochenzeitungen zu subventionieren, für die Ausbildung von JungjournalistInnen, für angestellte AuslandskorrespondentInnen, für Lokalzeitungen und für Presseklubs. Wir haben die Daten dazu aggregiert und in einem strukturierten Datensatz zusammengefasst. Dieser enthält ausbezahlte Förderungen nach dem Presseförderungsgestz 2004 (PresseFG 2004) sowie Einreichungen, die nicht gefördert wurden. Die Daten sind seit der Einführung des derzeit geltenden Gesetzes verfügbar, also seit dem Jahr 2004. Die Daten für 2015 sind vorläufig und beinhalten noch nicht alle Förderungen (Stand: 13. August 2015).

Ist die derzeitige Presseförderung noch zeitgemäß?

Erst wenn Daten einfach verfügbar sind und sich analysieren lässt, wem öffentliche Mittel zu Gute kommen, kann auch sachlich darüber diskutiert werden, ob die Förderung noch zeitgemäß ist und ihren Zweck bestmöglich erfüllt. So zeigen die Daten etwa deutlich, dass zunehmend weniger Presseförderung ausbezahlt wird – in Zeiten, in denen Printmedien unter hohem wirtschaftlichen Druck stehen. 2004 wurden knpapp EUR 13.5 Millionen an Presseförderung ausbezahlt, 2014 nur noch EUR 8.5 Millionen. Dieser Rückgang ist vermutlich zum Teil bedingt durch den Tod ehemaliger Parteizeitungen wie der Salzburger Volkszeitung und der Neuen Kärntner Tageszeitung. Auch geht aus den Daten hervor, dass ein substanzieller Teil der Förderungen an Publikationen fließt, die direkt oder indirekt (durch Stiftungen) durch die Katholische Kirche kontrolliert werden. Und es wurden – und werden – mehrere Publikationen gefördert, die eng mit politischen Parteien verbunden sind, etwa SPÖ-aktuell, das Neue Volksblatt, die Bauernzeitung (beide im ÖVP-Besitz) und die von den ex-FPÖ-Politikern Hilmar Kabas und Andeas Mölzer sowie ex-ORF-Chefredakteur Walter Seledec herausgegebene rechte Wochenzeitung Zur Zeit. Die RTR vergibt auch verschiedene Förderungen an kommerzielle und nichtkommerzielle Radio- und TV-Sender – einzig für Qualität in Online-Medien gibt es bislang keine derartigen Mittel.

Wer wieviel Förderungen bekommt

Um die Visualisierungen sehen zu können, muss Java aktiviert sein – aktuelle Versionen von Chrome erlauben dies nicht mehr.

Die Datenbefreiung

Die Informationen zu den jährlichen Fördervergaben werden von der RTR in PDF-Dateien – meist vier Dateien pro Jahr, insgesamt also knapp 50 Dateien über die vergangenen 11 Jahre – und zum Teil auch im HTML-Format veröffentlicht. Wir haben die PDFs heruntergeladen, in Preview (Mac) geöffnet und durch einfaches Copy&Paste in einem Google Sheet aggregiert. Danach haben wir sie u.a. mittels Suchen=> Ersetzen gesäubert. Zu Schaffen gemacht haben uns Zeilenumbrüche innerhalb einzelner Zellen im Dokument. Die Lösung: Im Datensatz nach “rn|n|r” suchen (auch innerhalb von Formeln), und die Treffer dann durch ein Leerzeichen ” ” ersetzen. Mit dem Open-Source-Programm Open Refine haben wir dann die Daten weiter gesäubert. So lassen sich etwa Namen schnell und einfach standardisieren – in diesem Fall wurden die geförderten Medien und Fördernehmer über die Jahre unterschiedlich bezeichnet. Das haben wir so weit als möglich vereinheitlicht, um die Daten so leichter analysieren zu können, ohne dabei jedoch die Detailgenauigkeit der Daten zu reduzieren. Die Daten scheinen von recht guter Qualität zu sein, uns sind nur zwei kleine Ungereimtheiten aufgefallen. Mehr dazu in der Readme-Datei auf unserem GitHub-Account. Dort steht auch der Datensatz zum Weiterverwenden bereit. Falls du einen Vorschlag für einen Datensatz hast, den du gerne befreit sehen würdest – gib uns bitte Bescheid! Wir danken der Internet Foundation Austria (IPA) für die Unterstützung durch das Förderprogramm netidee.at.
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Die neuen Regeln zum Weiterverwenden öffentlicher Dokumente

- July 17, 2015 in copyright, Data Journalism, Featured, GuteDaten

gutetaten icon ÖsterreicherInnen erhalten erstmals ein grundsätzliches Recht darauf, mit Steuergerldern finanzierte Dokumente für eigene Zwecke zu gebrauchen. Am 18. Juli tritt eine Novelle des Informationsweiterverwendungsgesetzes (IWG) in Kraft, das die Nutzung von Dokumenten regelt, die sich im Besitz öffentlicher Stellen befinden. Der Nationalrat hat die Änderungen im Juni einstimmig beschlossen. Österreich setzt damit auf Bundesebene eine Reform der EU Public Sector Information Richtlinie (PSI) um. Entsprechende Regelungen müssen auch auf Landesebene beschlossen werden, mehrere Bundesländer – Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark und Burgenland – haben dies bereits getan und führen die neuen Weiterverwendungsrechte zeitgleich zum Bund ein. Hier die wichtigsten Neuerungen: Grundsätzliches Recht auf Weiterverwendung
Dokumente, die unter das IWG fallen, können nun für kommerzielle und nicht-kommerzielle Zwecke weiterverwendet werden. Das Gesetz gilt auch für Bibliotheken, Museen und Archive, die Dokumente, an denen sie geistige Eigentumsrechte haben, gemäß dem IWG zur Weiterverwendung bereitstellen können. Das IWG gilt für…
  • Dokumente – jeden Inhalt, unabhängig von der Form des Datenträgers – die Bundesstellen und Unternehmen der öffentlichen Hand im Rahmen ihrer öffentlichen Aufgabe erstellen.
… und gilt nicht für:
  • Dokumente, die von einer öffentlichen Stelle ausschließlich zu kommerziellen Zwecken und im Wettbewerb mit anderen MarktteilnehmerInnen gegen Entgelt erstellt werden.
  • Inhalte, die auf Basis der derzeitigen Rechtslage nicht zugänglich sind – Amtsgeheimnis und Datenschutzbestimmungen werden durch das IWG also nicht abgeschwächt.
Verpflichtung, Dokumente in offenem, maschinenlesbarem Format zu veröffentlichen “Öffentliche Stellen haben Dokumente, die sich in ihrem Besitz befinden, in allen vorhanden Formaten oder Sprachen und, soweit möglich und sinnvoll, in offenem und maschinenlesbarem Format zusammen mit den zugehörigen Metadaten bereitzustellen. Sowohl die Formate, als auch die Metadaten, sollten so weit wie möglich formellen, offenen Standards entsprechen.” Öffentliche Stellen sind jedoch nicht verpflichtet, Dokumente neu zu erstellen oder anzupassen, wenn dies mit einem “unverhältnismäßigen Aufwand” verbunden ist, “der über eine einfache Bearbeitung hinausgeht”.
Die Erläuterung der IWG-Novelle beschreibt ein Dokument als maschinenlesbar, “wenn es in einem Dateiformat vorliegt, das so strukturiert ist, dass Softwareanwendungen die konkreten Daten einfach identifizieren, erkennen und extrahieren können. Maschinenlesbare Formate können offen oder geschützt sein; sie können einem formellen Standard entsprechen oder nicht. Dokumente, die in einem Dateiformat verschlüsselt sind, das eine automatische Verarbeitung einschränkt, weil die Daten nicht oder nicht ohne Weiteres aus ihnen extrahiert werden können, gelten nicht als maschinenlesbar.” Ein offenes Format wird definiert als “ein Dateiformat, das plattformunabhängig ist und der Öffentlichkeit ohne Einschränkungen, die der Weiterverwendung von Dokumenten hinderlich wären, zugänglich gemacht wird”.
 
Kosten-Begrenzung

Es steht öffentlichen Stellen frei, Dokumente unentgeltlich zur Weiterverwendung bereitzustellen. Werden Entgelte erhoben, dann dürfen öffentliche Stellen keine höheren Gebühren erheben als die aus der Reproduktion, Bereitstellung und Verbreitung entstehenden Grenzkosten – also den Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Einheit entstehen. Das Gesetz erlaubt, dass zwischen nicht-kommerzieller und kommerzieller Nutzung unterschieden wird, und z.B. Gebühren bei kommerzieller Nutzung von Dokumenten erhoben werden können, deren nicht-kommerzielle Nutzung gratis ist. Die Erläuterungen zum Gesetz merken an, dass die durchschnittlichen Betriebskosten für Datenbanken niedrig sind und die Grenzkosten nahe null sind. Deshalb wird öffentlichen Stellen empfohlen, für herunterladbare Dokumente keine Gebühren einzuheben, da das Eintreiben solcher Gebühren selbst Kosten verursacht. Es gibt jedoch drei Ausnahmen, der Grenzkosten-Grundsatz gilt nicht für:
  1. öffentliche Stellen, die durch erzielte Einnahmen einen wesentlichen Teil ihrer Kosten im Zusammenhang mit der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe decken müssen;
  2. Dokumente, bei denen die betroffene öffentliche Stelle ausreichend Einnahmen erzielen muss, um einen wesentlichen Teil der Kosten für deren Erfassung, Erstellung, Reproduktion und Verbreitung zu decken;
  3. Bibliotheken, Museen und Archive.
Bestandsliste Auf data.gv.at entsteht eine Bestandsliste der wichtigsten Dokumente samt Metadaten. (Das bislang wohl wenig genutzte Informationsweiterverwendungs-Register auf usp.gv.at wird eingestellt.) Weiterhin verlangt das IWG jedoch, dass Anträge auf Weiterverwendung von Dokumenten schriftlich bei der öffentlichen Stelle zu stellen sind, in deren Besitz sich das beantragte Dokument befindet (§5). Fazit Mit der Umsetzung der PSI-Richtlinie und der Novellierung des IWG setzt Österreich die Pflichtaufgabe um und führt EU-Mindeststandards ein. Darüber hinaus geht man jedoch nicht.
Die rechtliche Grundlage für Open Data wird mit dem IWG gestärkt – erstmals wird beispielsweise der Begriff “maschinenlesbar” mit Bezug auf öffentliche Informationen in einem Bundesgesetz erwähnt. Ebenso wird data.gv.at als zentrale Plattform für Open Data und Dokumente der öffentlichen Hand verankert. Zwar führt das IWG eine Verpflichtung für maschinenlesbare Dokumente ein, es gibt jedoch genug Hintertüren für die Verwaltung, um Dokumente wie gehabt in nicht-weiterverarbeitbaren Formaten und ohne offene Lizenzen zu veröffentlichen. Auch gibt es keine Sanktions- oder Kontrollmechanismen, um die Umsetzung des IWG zu forcieren. Weiterhin fehlen eine nationale und von höchster politischer Ebene unterstützte Open Data Strategie, sowie ausreichende Mittel, um das Thema Open Data auf allen Ebenen der Verwaltung voranzutreiben. Wirklich politisch zuständig ist für das Thema auf Bundesebene immer noch niemand. Es braucht weiterhin Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, damit zukünftig immer mehr MitarbeiterInnen der Verwaltung das Thema Open Data im Hinterkopf haben, den Mehrwert erkennen, und so weit als möglich das Wissen der Verwaltung frei zugänglich und nutzbar machen. Die Cooperation OGD Österreich hat diesbezüglich schon einiges erreicht, aber es braucht mehr Ressourcen, um den notwendigen Kulturwandel herbeizuführen. Ressourcen braucht es auch für die Zivilgesellschaft, die sich mit Open Data und ihren Anwendungsgebieten befasst. Ein nächster wichtiger Schritt wird die für Herbst angekündigte Reform des Amtsgeheimnisses und der Beschluss eines Informationsfreiheitsgesetzes sein. Damit sollen BürgerInnen auch endlich in Österreich das Recht auf Informationszugang und Akteneinsicht bekommen – und damit das Recht auf eine Nutzung von mit öffentlichen Mitteln generiertem Wissen. Zum Nachlesen Im März haben wir unsere Stellungnahme zur Begutachtung der IWG-Novelle ans Parlament übermittelt und darüber in einem Blogpost alle Infos zusammengefasst. Wir danken der Internet Foundation Austria (IPA) für die Unterstützung durch das Förderprogramm netidee.at.
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Woher stammen Asylwerber_Innen, die nach Österreich kommen? Das sagen die Daten

- April 21, 2015 in Featured, GuteDaten

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Hunderte Menschen sind innerhalb weniger Tage beim Versuch gestorben, Europa über das Mittelmeer zu erreichen und so Konflikten, Gewalt und Armut zu entfliehen. Es stellt sich die Frage, wie Österreich und Europa mit dem Flüchtlingsstrom in Richtung EU umgehen können und sollen. Nur wenn auch die Daten zum Thema Asyl wirklich frei verfügbar sind lässt sich auch eine informierte öffentliche Debatte zu diesem Thema führen. Deshalb wäre es schön, wenn der nächste Asylbericht des BMI bereits mit maschinenlesbaren Daten veröffentlicht werden würde. Wir haben nun die Daten aus den Asylberichten des Innenministeriums der vergangenen Jahre befreit, die nur als PDFs veröffentlicht wurden. So möchten wir interessierten NutzerInnen das Analysieren und Weiterverarbeiten der Daten einfacher möglich machen. Im Vorjahr haben 28.027 Menschen in Österreich um Asyl angesucht. Die größte Gruppe kam aus Syrien (7.754), gefolgt von Afghanistan (5.070), Russland (1.996), dem Kosovo (1.901) und staatenlosen Menschen (1.285). Im Jänner und Februar 2015 haben mehr als 7.200 Menschen um Asyl angesucht, die meisten davon aus dem Kosovo (2.002), Syrien (1.573) und Afghanistan (1.045).
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Entscheidungen über Asylanträge Im Jahr 2013 – das aktuellste Jahr, für das Daten verfügbar sind – haben 4.133 Menschen in Österreich Asyl erhalten, was jedem vierten/r AntragstellerIn entspricht. LULIR (1)   JdXDV Woher die Daten kommen Das Inneninisterium veröffentlicht monatlich einen Bericht mit Daten zu in Österreich gestellten Asylanträgen, wobei dort nur die 15 Herkunftsländer mit den meisten AntragstellerInnen angeführt werden, alle anderen werden unter “sonstige” zusammengefasst. Das BMI veröfentlicht auch einen jährlichen Asylbericht, in dem alle gestellten Asylanträge nach Monat und Staatsbürgerschaft aufgelistet sind, und in dem aggregierte Statistiken zu entschiedenen Asylanträgen veröffentlicht werden. Die Monatsberichte werden offline genommen, wenn der entsprechende Jahresbericht veröffentlicht wird. Der letzte verfügbare Monatsbericht ist für den Februar 2015, der aktuellste Jahresbericht für 2013. Der älteste online verfügbaren Bericht ist aus dem Jahr 2002, und insbesondere in den früheren Jahren sind die Jahresberichte von wechselnder Granularität und enthalten unterschiedliche Informationen und Details, die nicht immer über die Jahre hinweg vergleichbar sind. Bis 2003 wurden Verfahren ausschliesslich nach Asylgesetz 1997 abgewickelt, ab 2004 nach dem Asylgesetz 2003, wobei in den Jahren 2004 und 2005 Verfahren unter beiden Gesetzen durchgeführt wurden – für die beiden Verfahrenstypen sind separate Daten verfügbar. Freie Daten für eine informierte Asyl-Debatte Die Asylberichte werden derzeit ausschliesslich als PDF-Dateien veröffentlicht. Wir haben die einzelnen Berichte durch eine kommerzielle OCR (optical character recognition software) gejagt, die Daten dann nach bestem Wissen und Gewissen überprüft, gesäubert (etwa in dem wir Begriffe und Namen vereinheitlicht und aggregierte Zwischensummen gelöscht haben) und die Daten dann aggregiert. Falls uns trotzdem ein Fehler durchgerutscht sein sollte, bitte melden – wir korrigieren ihn gerne. Befreite Datensätze Unsere befreiten Datensätze stehen auf GitHub zum Download.
Hier sind die Asyl-Datensätze.

Recap: Gute Daten beim Open Data Day 2015

- March 12, 2015 in Featured, GuteDaten

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Datenbefreiung beim Open Data Day 2015

Um den weltweiten Open Data Day 2015 angemessen zu zelebrieren, fanden sich kürzlich zahlreiche Daten-FreundInnen im Raum D des Wiener Museumsquartiers ein. Eine Gruppe von zehn Leuten nahm sich dabei dem Thema Aufbereitung von Informationen an.
Ganz nach dem Motto: Gute Taten für gute Daten: In diesem von der netidee geförderten Projekt arbeiten wir daran, öffentlich zugängliche Informationen, aus ihren verschlossenen Dateien zu befreien. Wir möchten sie analysieren, visualisieren und einfach zugänglich zu machen. Wir glauben, es gibt so einiges an verfügbaren Informationen in Österreich, die von breiter Relevanz sind und verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten bieten würden –aber bislang nicht in maschinenlesbaren Formaten verfügbar sind.
Eine Runde der DatenfreundInnen arbeitete mit einem Datensatz der Stadt Salzburg. Die Landeshauptstadt möchte nämlich – als wohl erste Gemeinde Österreichs – alle ausbezahlten Subventionen in einer Datei öffentlich zugänglich zu machen. Anhand dieser Daten wurden verschiedene Analyse- und Visualisierunkgstools ausprobiert, um mögliche Anwendungsgebiete und Interpretationszugänge dieser Informationen zu erkunden.
Gleichzeitig trauten sich drei wagemutige TeilnehmerInnen einige Schritte an das Daten-Ungetüm namens Budget der Republik Österreich heran, das mehr als 50 verschiedene PDF-Datein umfasst. Innerhalb eines Nachmittags schafften sie es, einen Teil des Budgets des Ministeriums für Verteidigung und Sport zu analysieren und ein erstes Modell für die Daten-Struktur eines maschinenlesbaren Budgets zu entwickeln.
Ein weiterer Daten-Aktivist widmete sich der österreichischen Asylstatistik und begann, die vom Innenministerium regelmässig als PDF-Berichte veröffentlichten Informationen zu Asylanträgen, Herkunftsländern der Flüchtlinge und gewährtem Asylstatus zu befreien. Wir arbeiten daran, diesen Datensatz demnächst in unserem Projekt zu veröffentlichen.
Danke an alle TeilnehmerInnen, es hat uns sehr gefreut!
Open Data Day 2015 in Wien Mehr Fotos gibt’s hier auf Picasa. Wir danken der Internet Foundation Austria (IPA) für die Unterstützung durch das Förderprogramm netidee.at.
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